Personalvertreter/innen aufgewacht!

Pflegekammern machen Gewerkschaften überflüssig!

Erschrocken? Mit diesem Gedanken gehen die Rattenfänger der Kammerinitiatoren auf Beutezug. Und es gibt eine ganze Reihe von Pflegekräften die darauf reinfallen. Verständlich, wenn man diese Kammern als Pflegegewerkschaft verkauft. Einen gewerkschaftlichen Nutzen hat man davon freilich nicht.

Leider scheinen viele Personalvertreter/innen in den Bereichen der Pflege noch nicht auf dem Laufenden zu sein, was die selbst ernannten Pflegeverbände (in erster Linie der dbfk) da gerade mit Gewalt durchzusetzen gedenken. In einigen Kliniken und Pflegeheimen ist ja bereits angekommen was da läuft, leider nicht bei Allen. Interessanterweise hat die Gewerkschaft verdi bereits eine klare Stellungnahme zum Thema herausgebracht. Aber auch hiervon haben eine ganze Reihe von Personalvertreter/innen noch nichts mitbekommen. Unter dem Deckmantel »Die Pflege braucht eine eigene Vertretung« wird hier, in froher Zweisamkeit mit der Politik, ein System der Entmündigung eines ganzen Berufsstandes vorbereitet. Und nebenbei, kann man dann so lästige Personenkreise wie Gewerkschaften auch noch gleich ausbooten.

Einheitsmeinung statt Meinungsfreiheit

Grundsätzlich ist gegen eine demokratisch legitimierte Vertretung der Pflege in Deutschland nichts einzuwenden. Leider ist das, was dort geplant ist, keine demokratisch legitimierte Vertretung eines Berufsstandes. Die Initiative geht nicht von den Pflegekräften aus, sondern primär von einem Berufsverband aus, der durch Vorgesetzte, Leitungskräfte oder sogar durch Personen repräsentiert wird, die nicht einmal aus dem Pflegeberuf kommen. Zusammen mit deren Freunden aus der Politik. Diese Personen haben natürlich ein besonderes Interesse an einer Kammer, kann man sich dort doch einen lukrativen Posten ohne größeres Arbeitsplatzrisiko und ohne allzu hohe Anforderungen sichern. Vor allem braucht man sich im klimatisierten Büro nicht die Hände schmutzig zu machen. Das Hauen und Stechen um die besten Plätze hat sicher schon begonnen. Die Betroffenen Pflegekräfte dürfen dann ein ehrenamtliches »Alibi-Kontrollgremium« wählen, für das sich von den angestellten Kämmerlingen sowieso keiner Interessiert.

Meinungsgleichschaltung

Die Initiatoren wollen per Gesetz alle Pflegekräfte in eine Kammer zwingen, die dann für die Interessen dieser Personen sprechen soll. Durch diese Zwangsmitgliedschaft bilden sie sich dann ein, für diese Personen sprechen zu können. Einheitsmeinung statt Demokratie und Meinungsvielfalt, bzw. Meinungsfreiheit. Der Politik (und damit den Arbeitgebern und Krankenkassen) ist das genehm, kann man doch so die Meinung einer ganzen Berufsgruppe kontrollieren. In bestehenden Kammern klappt das ja schon ganz gut. Für die Pflegekräfte bedeutet das, »Außer Spesen nichts gewesen«. Allerdings jedes Jahr aufs Neue. Neue Interessengruppen haben erst gar keine Chance laut zu werden. Da ja in einer Kammer angeblich alle Betroffenen vertreten sind, kann es ja gar nicht sein, dass jemand eine eigenen oder gar eine abweichende Meinung hat. Demokratie ist halt was lästiges – in Kammern und bei deren Befürwortern ganz besonders.

Zahlen oder Berufsverbot

So einfach kann man das was dort geplant ist, auf einen einfachen Satz herunterbrechen. In Zukunft dürfen nur noch die Personen den Pflegeberuf ausüben, die sich Registrieren lassen und regelmäßig Geld an diese Organisation überweisen. Wer nicht zahlt erhält ein Berufsverbot. Basta. Wer den Eindruck hat, das sind sizilianische Methoden, der hat das durchaus richtig erkannt.

Zahlen ohne Nutzen

Die Frage ist nur, wer ist der Nutznießer einer solchen Organisation? Für die Pflegekräfte in Deutschland wird es keinen Vorteil bringen. Allerdings für die Personen, welche dann in der Kammer sitzen schon. Bequemer kann man sein Geld nicht verdienen … pardon, erhalten. Verdiene kann man nicht sagen, den einem Verdienst steht eine Leistung im Wettbewerb gegenüber. Bei einer staatlich eingesetzten Monopolorganisation gibt es keinen Wettbewerb.

Unser Fazit:

Liebe Personalvertreterinne und Personalvertreter, macht Eurem Namen und Eurer Position einmal alle Ehre! Informiert die Pflegekräfte, wie diese demnächst über den Tisch gezogen werden sollen und zeigt ihnen auf, wie man sich gegen diese Antidemokraten und Berufsstandschädlinge wehren  kann. Wenn ihr jetzt schlaft, werden Euch bald sehr viele Personen unangenehme Fragen stellen.

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2 Antworten zu Personalvertreter/innen aufgewacht!

  1. EMV schreibt:

    Selten so einen polemischen Quatsch gelesen!! Verdi macht sich ja ausgeprochen stark für die Pflege!! Genau deswegen hat die Pflege keine Lobby, jeder kocht sein eigenes Süppchen mit dem Resultat, dass eine starke Berufsvertretung nicht zu Stande kommt. Solange wir uns für unseren Berufsstand nicht engagieren unter einem gemeinsamen Dach, wird sich nichts an den Zuständen ändern, jemand anderes erledigt das sicher nicht für uns. Was der Marburger Bund für seine Mitglieder erreicht, spricht ja wohl für sich! Wo ist/war da Verdi??
    Ich bin seit vielen Jahren Verdi-Mitglied, diese Kampagne erleichtert mir den Austritt ungemein.

    • pflegeguerilla schreibt:

      Außer mit Polemik und viel Galgenhumor kann man sich diesem Thema nicht annehmen.

      Verdi macht sich natürlich nur so stark für eine Berufsgruppe, wie diese Berufsgruppe auch in ihren eigenen Reihen vertreten ist. Das lässt deutlich zu wünschen übrig. Im Marburger Bund sind ein großer Teil der angestellten Klinikärzte organisiert. Das ist deren Gewerkschaft. Für niedergelassen also freiberufliche Ärzte hat der Marburger Bund keine Bedeutung. Eine hohe Mitgliederzahl gibt natürlich auch eine entsprechende Macht. Da ist auch bei den angestellten Pflegekräften – das sind ja eigentlich alle – Nachholbedarf.

      Leider wird mit einem Austritt aus der Gewerkschaft diese kleine Potenzial noch weniger werden. Den Pflegekammern haben bekanntermaßen rein gar nichts mit einer Gewerkschaft zu tun. Sie sind keine Interessenvertretung oder gar Arbeitnehmervertretung der Pflegekräfte, sondern eine reine Verwaltungseinrichtung, die zudem noch künstlich geschaffen werden muss. Ich empfehle hierzu die Erläuterungen des bffk e.V. zu diesem Thema, der viele Jahre Erfahrung im Umgang mit diesen Meinungsgleichschaltern hat.

      Den Gewerkschaften, aber im Prinzip allen Personalvertretern in den Einrichtungen, muss man ebenfalls einen deutlichen Rüffel erteilen. So viel Trägheit habe ich selten erlebt. Keine Unterschriftenaktionen, keine Information der Mitarbeiter/innen, keine Pressearbeit. Selbst in großen Kliniken passierte nichts. Das gesamter Potential wurde verschlafen. Eines ist nur ganz sicher. Die Leute die sich die Pflegezwangskammern einrichten lassen, sind nicht die Leute, die ein Interesse an einer starken Organisation der echten Pflegekräfte haben. Die Pflegekräfte sind nur Geldquelle und Alibi um die eigenen Interessen durchzudrücken. So funktionieren nun mal Kammern.

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