Wie man Zwangsbeiträge schön rechnet…

Im Web kursiert bereits großzügig, dass der Zwangsbeitrag zu Pflegekammer bei 3,50 Euro im Monat bzw. bei 0,15% des Bruttoeinkommens liegt. Dass es sich dabei um die Berechnung einer Umlage handelt, die zusätzlich zum Sockelbetrag kassiert wird, wird großzügig übersehen.

Ist es nicht schön, wenn man einfach etwas nachplappern kann, aber man sich nicht einmal die Mühe macht einen Taschenrechner zu benutzen, um zu überprüfen, was man da herausposaunt.

Rechnen wir einmal und lassen der Einfachheit mal die unterschiedlichen Ländergrößen weg und bleiben beim Durchschnitt:

Wenn man tatsächlich 3,50 pro Monat zahlt, sind das im Jahr 42 Euro.
Hochgerechnet auf rund 1,2 Mio. Pflegende in Deutschland kommen so etwa 50,4 Mio. Euro zusammen. Teilt man das jetzt wieder durch 16 Bundesländer, so bleiben pro Bundesland im Durchschnitt 3,15 Millionen Euro übrig.

Das wäre als Jahresbudget für eine Kammer gerade mal die Portokasse.

Aber:

Der erste gravierende Fehler bei dieser Rechnung ist, nicht alle Kräfte verdienen ein „Spitzengehalt“ von tariflichen 28.000 Euro im Jahr. (Erstritten von den ach so bösen Gewerkschaften, die ja jetzt keiner mehr will) Viele bekommen z.B. nur den Mindestlohn von 7,5 Euro/Ost bzw. 8,50 Euro/West (Festgelegt von den »Söders« die ja jetzt alle so toll finden). Das sind dann ca. 15600 bzw. 17700 Euro im Jahr. Die zahlen dann nur noch ca. 23,40 bzw. ca. 26,50 im Jahr. Also etwa die Hälfte.

Und als nächster gravierender Rechenfehler kommt noch dazu, dass in der Pflege extrem viele in Teilzeit oder nur auf 400 Euro-Basis arbeiten. Da würde bei dieser Rechnung noch erheblich weniger zusammenkommen. Wenn man sehr-sehr-sehr wohlwollend rechnet, vielleicht 1,5 – 1,7 Mio. pro Bundesland. Und davon soll eine Pflegezwangskammer bezahlt werden?

Betrachtet man die Kosten die eine IHK (und von denen gibt es über 80 in Deutschland!) verursacht, so kommt man im Durchschnitt auf 10 Mio. Euro bei ca. 50.000 zugewiesenen Unternehmen. Manche Kammern verschwenden sogar bis zu 20 Millionen bei gleicher Zwangsmitgliederzahl. (Diese Fakten kann jeder im Internet selbst überprüfen.) Kammern mit dieser Größe haben im Schnitt 120 – 150 Mitarbeiter, die garantiert nicht zum Mindestlohn reinkommen. Und nebenbei sollte man nicht vergessen, die lachshäppchenverwöhnten Kammeroberen kassieren durch die Bank weg im sechstelligen Bereich plus Sozialleistungen, Spesen usw. Die sind nicht vom Armut geprägt.

Wenn man jetzt die kleineren Aufgaben einer Pflegekammer betrachtet und die Kosten dort nur mit wohlwollenden 50% einer IHK ansetzt, im gleichen Moment aber die Zahl der zugewiesenen Pflegenden z.B. für Bayern auf 130.000 hoch rechnet, so kommt man überschlagsweise auf rund 15 – 20 Mio. Euro im Jahr. Wie viel dann jede Pflegekraft zahlen müsste, kann sich jeder selbst ausrechnen und auf die verschiedenen Einkommensgruppen verteilen.

Noch ein Beispiel aus der aktuellen Presse. Die IHK Koblenz hat nur für die Vollversammlungswahl (die jetzt wegen Wahlmanipulation wiederholt werden muss) der ca. 85.000 zugewiesenen Betriebe 400.000 Euro ausgegeben. Das sind durchaus realistische Beträge. Und das ist nur die Wahl. Da ist noch nicht eine Versammlung mit allen Reise- und Sonstwaskosten zusammengekommen. Und von den Kosten der hauptamtlichen „Mitarbeiter“ und den laufenden Betriebskosten reden wir schon mal garnicht.

So sind sie halt die Zwangskämmerlinge. Erst mit Märchen ködern und wenn alles gesetzlich geregelt ist, kann man ja die Zwangbeiträge beliebig hoch setzen. So wie es alle Zwangskammern machen.

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